Der verlorene Mann – erhältlich ab: 15.10.2026

Hanne (Dagmar Manzel), Künstlerin im sogenannten fortgeschrittenen Alter, und Bernd Zweig (August Zirner),
pensionierter Pfarrer, führen eine glückliche, wenngleich etwas routinierte Ehe in ruhiger, ländlicher Idylle am Rande
eines kleinen Dorfes. An einem Winternachmittag steht plötzlich und wie aus dem Nichts Hannes Ex-Mann vor der
Tür, den sie in den vergangenen zwanzig Jahren vielleicht zweimal gesehen hat. Kurt (Harald Krassnitzer) verhält sich
so, als käme er gerade von der Arbeit nach Hause, offenbar fest davon überzeugt, dass er noch immer mit Hanne
verheiratet ist. Ein Anruf bei seiner Tochter Samira (Lene Dax) bestätigt den leisen Verdacht: Kurt leidet an Alzheimer,
die Scheidung existiert in seiner Welt nicht mehr.

Auf Samiras Bitte hin bringen Hanne und Bernd Kurt zurück in das Pflegeheim, in dem er untergebracht ist, solange
sich seine Tochter beruflich im Ausland befindet. Doch gegen seinen Willen könne man ihn dort nicht festhalten, erklärt
ihnen eine erschöpfte Betreuerin. An einer anderen Adresse, die Samira kurzfristig organisiert, werden sie am späten
Abend freundlich, aber bestimmt auf den kommenden Tag vertröstet. Da die Alternative, den ungebetenen Gast bei
der Polizei abzuliefern, für Bernd nicht infrage kommt – „Wenn jemand in Not ist, geht uns das immer etwas an“ –,
soll Kurt für eine Nacht im Gästezimmer schlafen. Am Morgen stellen Hanne und Bernd entgeistert fest, dass sich ihr
Besucher heimlich in ihr Bett geschlichen hat und zwischen ihnen liegt.

Nachdem sie darüber aufgeklärt wurde, dass sie angesichts des allgemeinen Pflegenotstands frühestens in zwölf
Monaten mit einer Heimunterbringung rechnen könne, kehrt Hanne von ihrem nächsten Versuch, Kurt wieder
„loszuwerden“, aufgebracht und unverrichteter Dinge zurück. Auch Kurt versteht die Welt nicht mehr: Er will wissen,
warum „seine“ Frau seinen zärtlichen Annäherungsversuchen ausweicht. Bernd drängt Hanne beim Abendessen
dazu, ihm die Wahrheit zu sagen. Nur widerwillig spricht sie zum ersten Mal über ihre schmerzhafte Trennung, über
die sie nie wirklich hinweggekommen ist. Da sich Kurt am Folgetag nicht mehr an das Gespräch erinnern kann, erfindet
Bernd eine Erklärung, die die ganze Sache fürs Erste vereinfacht: Dass Kurt und Hanne eine offene Ehe führen würden
und Bernd Hannes Geliebter sei, scheint „der alte 68er“ problemlos akzeptieren zu können.

Als Hanne dann die Nachricht erhält, dass spontan ein Platz in einen Heim frei geworden ist, konfrontiert sie Kurt
behutsam mit der Tatsache, dass er nicht länger bei ihnen wohnen könne und sie einen „anderen Mann“ habe. Kurt
reagiert mit einem Wutanfall und nimmt Reißaus. Das Ehepaar findet ihn nach sorgenvoller Suche in Polizeigewahrsam.
Beamten haben Kurt an einer Bushaltestelle aufgelesen und bereits Samira informiert, die daraufhin – beschämt und
verzweifelt – mit ihrer kleinen Tochter eintrifft. Gemeinsam begleiten sie Kurt in die Wohnung der alleinerziehenden,
unübersehbar überforderten jungen Frau. Erschüttert stellt Hanne fest: „Ich kann ihn nicht hierlassen. Ich fühle mich
verantwortlich.“ Nach kurzem Zögern willigt Bernd ein, Kurt vorübergehend bei ihnen aufzunehmen – solange Kurt im
Gästezimmer schläft. Und solange Bernd die Möglichkeit hat, ohne große Erklärungen einen Schlussstrich zu ziehen
und zur bisherigen Zweisamkeit mit Hanne zurückzukehren.

Für eine Weile scheint mit dem neuen Mitbewohner eine unverhoffte Leichtigkeit in das stille Haus einzuziehen. Hanne
fühlt sich durch Kurts Anwesenheit künstlerisch inspiriert, durch seine liebevolle Art an ihre Jugend erinnert. Doch je
mehr Zeit vergeht, desto stärker gerät das fragile emotionale Gefüge ins Wanken. Hin- und hergerissen zwischen 6
der Fürsorge für ihren Ex-Mann, dessen Gesundheitszustand sich zusehends verschlechtert, und der Frage, wie viel
Kurt ihre Ehe mit Bernd verkraftet, stürzt Hanne in einen schweren Gewissenskonflikt. Bernd hingegen fühlt sich in
dem unkonventionellen Dreiergespann mehr und mehr an den Rand gedrängt. Und denkt schließlich über eine noch
radikalere Lebensveränderung nach.

Quelle/Foto: boxfish films