Kreativität gilt als eine der großen Tugenden. Mit ihr lösen wir Probleme, treiben Innovation und ermöglichen Fortschritt. Doch was geschieht, wenn dieselbe Fähigkeit eingesetzt wird, um Menschen zu täuschen, zu manipulieren oder gezielt zu verletzen?
In Das kreative Böse untersucht die international führende Expertin und Biologische Psychologin Corinna Perchtold-Stefan ein junges Forschungsfeld: die malevolente Kreativität. Gemeint sind originelle und wirksame Ideen, die anderen bewusst schaden. Sie begegnen uns nicht nur in spektakulären Verbrechen, Terror oder Betrug, sondern auch im Alltag: in raffinierten Lügen, subtiler Sabotage, Mobbing, toxischen Arbeitswelten und digitalen Hetzkampagnen. Denn Kreativität ist kein moralischer Kompass. Sie ist zunächst neutral und kann ebenso präzise zerstören wie erschaffen.
Die gefährlichsten Verbrechen beginnen oft nur mit einer guten Idee.
Perchtold-Stefan zeigt, wie Narzissmus, Sadismus, Psychopathie und soziale Ausgrenzung dunkle Ideen begünstigen und warum „ganz gewöhnliche“ Menschen dazu fähig sind. Im digitalen Raum gewinnt das Thema neue Brisanz. Dabei widerspricht das Buch einfachen Technikuntergangsszenarien.
Macht Künstliche Intelligenz das Böse wirklich gefährlicher?
Macht True Crime uns widerstandsfähiger?
Können wir das Böse überhaupt wissenschaftlich messen?
Mit aktuellen Erkenntnissen aus Verhaltenspsychologie, Neurowissenschaft und Kriminalpsychologie, realen Fällen, Experimenten und Selbsttests räumt Corinna Perchtold-Stefan zugleich mit populären Mythen auf. Es gibt keine verlässliche „Mörder-DNA“, kein Gehirnbild, das einen Menschen zweifelsfrei als böse entlarvt. Zwischen einem dunklen Gedanken und einer dunklen Tat liegen Selbstkontrolle, Moral, Empathie und Entscheidungen.
Das kreative Böse handelt von der beunruhigenden Möglichkeit, dass destruktiver Einfallsreichtum in uns allen steckt und unter den falschen Bedingungen hervortreten kann. Zugleich zeigt es, warum Erkenntnis ein Schutz sein kann: Was wir benennen und verstehen, wird sichtbar und damit eher bekämpfbar.
Quelle/Foto: Christian Brandstätter Verlag GmbH & Co KG
