Eine gekränkte Gurke ist schlimmer als jede beleidigte Leberwurst. Botanische Sozialstudien für Pflanzenverrückte – VÖ. 03.02.2025

Die Schlinge um meinen Hals zog sich erbarmungslos zusammen. Zentimeter um Zentimeter. Ich bekam kaum noch Luft…“

Was wie ein Krimi klingt, spiegelt nur die Zustände im Garten der Autorin wieder. Und die sind stellenweise durchaus bedrohlich. Sex & Crime sind schließlich kein Privileg der Menschheit, auch Pflanzen kriegen das hin. Sie lieben und hassen, machen auf Muskelprotz oder Mauerblümchen, beherrschen perfide Würgetechniken und verfügen über ungeahnte – und meist auch unbekannte – Fähigkeiten. So erfährt man in Klaudia Blasls unterhaltsamen wie informativen Buch von der Karriere der Karotten im Rennsport, den oft tödlichen Folgen des Tulpenfiebers, von der Schockstarre des Kopfsalats, dem frigiden Safran als Potenzmittel, von Christrosen als biochemische Kampfwaffen, der Petersilie als Giftpflanze des Jahres und vielem mehr.

Kurz gesagt: Selbst gewöhnliche Gartengewächse können Phantastisches leisten und Unglaubliches erzählen. Und die österreichische Giftpflanzen-Expertin, Krimiautorin und Gewinnerin des Deutschen Gartenbuchpreises hat ihnen genau zugehört. In „Keine Zeit, der Garten ruft“ melden sich ihre grünen Mitbewohner mal ganz unverblümt selbst zu Wort, weshalb die Autorin neben Figurproblemen, Bandscheibenvorfällen, Beziehungskrisen und einem Kinder & Katzen-Dilemma auch noch gegen vorlautes Grünzeug ankämpfen muss.

Klaudia Blasl, steirische Journalistin und Buchautorin, begann Giftpflanzen anzubauen, um mehr über die Waffen in ihren Kriminalromanen zu lernen. Mittlerweile kultiviert sie in ihrem Geschichtengarten im Burgenland über 200 Arten und weiß so viel über die Kulturgeschichte von Pflanzen, dass ihre Bücher vom »Geo«-Magazin empfohlen wurden und sie 2023 den 1. Platz beim Deutschen Gartenbuchpreis verliehen bekam.

Quelle/Foto: Droemer Knaur Sachbuch